Mit Moola die Welt retten

Wenn die Stadt Eislingen künftig neue Bäume pflanzt, sorgt ins Erdreich eingestreute Pflanzenkohle für besseres Wachstum; gleichzeitig reduziert der natürliche Nährstoffspeicher den Bewässerungsaufwand. Die eingesetzte „Moola“ (englisch für Kohle) besteht aus karbonisierten Biomassen wie bspw. Getreidespelzen, Holzhackschnitzel und stammt aus Eislingen. Gebacken wird sie in Pyreg-Anlagen der Firmengruppe DU: willkommen in der Umwelt, die mit ihrem Bodenverbesserer derzeit einen internationalen Hype auslöst.

„Wir bekommen Anfragen für Moola aus China und Kanada“, berichtet Beate Schwarz, die im ersten Quartal mehr als 100 Tonnen des begehrten Öko-Produktes gefertigt und damit die Jahresproduktion aus 2017 bereits übertroffen hat. Deshalb ging Mitte März die dritte Pyreganlage in Eislingen in Betrieb. Derweil spricht Herr Zimmermann fast täglich in Stadtplanungsämter vor, um die nachhaltige Idee aus Stockholm vorzustellen. In der schwedischen Hauptstadt werden seit 2015 alle Böden von Stadtbäumen mit Pflanzenkohle angereichert. In der Folge wachsen die Ahorne und Eichen deutlich stärker und gehen seltener kaputt. Die Rede ist von knapp zwei statt zehn Prozent Baumsterben in der Stadt – wo die grünen Riesen durch Feinstaub und asphaltierte Flächen widrigsten Bedingungen trotzen müssen. Mehr als eine Million Euro hat Stockholm in das Stadtbaum-Projekt investiert. Finanziert von einer Stiftung, der auch New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg angehört – inzwischen Klimabeauftragter der Vereinten Nationen.

Diese Erfolgsstory will Zimmermann im Landkreis Göppingen wiederholen. Als erste Kommune macht Eislingen mit. 20 markante Baumstandorte, wie etwa hinter dem Sportplatz des FC, sollen im April und Mai mit Moola versorgt werden. Gelingt der gleiche Erfolg wie in Schweden, werden Nachahmer folgen, ist sich Zimmermann sicher. Prominentester Moola-Kunde dürfte derzeit der Berliner Tiergarten sein – dort tauschen Gärtner Torf gegen Pflanzenkohle aus Schwaben. Neben dem Einsatz im öffentlichen Raum greifen auch Landwirte auf die aus Getreidespelzen gebackene Pflanzenkohle zurück. So kaufen Pferdewirte aus ganzen Deutschland bei DU: ein. Diese ersetzen Stroh-Einstreu in Pferdeboxen durch Pflanzenkohle. Dort nimmt sie den Urin der Tiere wie ein Schwamm auf und gibt den Nährstoff ab, wenn sie auf den Feldern ausgebracht wird.

Ein weiteres Einsatzgebiet der Moola sind Bienenvölker. Mit Pflanzenkohle gespachtelte Bienenkästen schützen die Insekten vor der berüchtigten Varroamilbe, die weltweit für Bienensterben sorgt. In Göppingen wird Staufers-Edeka seine Kästen auf dem Dach der Markthalle mit Moola präpariert, berichtet Füger. Erste Erfahrungen mit dem Bodenverbesserer, hat der Agrarwirt bereits vor drei Jahren beim Gartenbauverein Gingen gesammelt. Mitglieder testen seither die karbonisierten Getreidespelzen in den heimischen Böden. Aktuell läuft eine wissenschaftliche Studie an der Universität Osnabrück. Untersucht werden Qualitätsmerkmale der Milch, weil Pflanzenkohle Futter beigemischt wird. Sie bindet die Giftstoffe, die Kühe später ausscheiden. „Unis und Tierärzte sprechen von einer positiven Langzeitwirkung auf das Tierwohl“, erklärt Zimmermann. Ziel ist es, dass das Bioprodukt chemischen Dünger überflüssig macht, verdeutlicht der DU:-Mann.

Pflanzenkohle ist ein uraltes Produkt

Pflanzenkohle ist ein uraltes Produkt, das in jüngster Zeit globale Nachfrage erfährt. Schon vor Jahrhunderten haben Indianer im Amazonasgebiet nährstoffarme Böden mit organischen Abfällen und Pflanzenkohle angereichert und damit verbessert. Vor gut 15 Jahren keimte die Idee in der Schweiz auf, Holzabfälle, Getreidespelzen oder Kirschkerne zu karbonisieren, damit daraus Kohle entsteht.