Moola - der Bodenverbesserer

Pflanzenkohle steigert die Effizienz von Dünger. Wenn es nach Christoph Zimmermann geht, schon bald. Was in der Schweiz und Skandinavien längst ein Trend ist, soll auch in schwäbischen Gärten und auf heimischen Wiesen Einzug halten.

Dort arbeiten Landwirte und Hobbygärtner längst mit dem Naturprodukt, das mit Nährstoffen (zum Beispiel Stickstoff) angereichert wird. Aktuell strebt der Geschäftsführer von DU: willkommen in der Umwelt mit der Universität Osnabrück und dem Fraunhofer Institut den wissenschaftlichen Beweis an: „Ich möchte weg vom Bauchgefühl. Wir belegen mit Daten und Fakten, dass die nach EBC zertifizierte und als Bodenhilfsstoff zugelassene  Pflanzenkohle Erträge steigert und umweltfreundlicher ist als Dünger“, fasst der 52-Jährige zusammen.

Moola

Moola heißt die neue Pflanzenkohle, die DU: willkommen in der Umwelt auf drei Pyrolyseanlagen herstellt. Moola ist Englisch und bedeutet umgangssprachlich „Kohle“.

Wie ein Schwamm

Denn im Gegensatz zum Dünger wird die mit Mikroorganismen oder Nährstoffen gespeiste Pflanzenkohle – mit dem Namen „Moola“ – nicht vom Regen ins Grundwasser gewaschen. Vielmehr fungiert sie als Schwamm im Boden und speichert die ihr zugeführten Spurenelemente und Nährstoffe. So lange, bis haarfeine Wurzeln der darüber wachsenden Pflanzen in sie eindringen und sich dieser bedienen.

DU: produziert seit zwei Jahren Pflanzenkohle. Abnehmer findet das Unternehmen überwiegend in Schweden und den Alpenregionen. Dort ist die Kohle aus Gerstenspelz oder Holzhack gefragter Bodenverbesserer. Aktuell läuft eine Pyrolyse-Anlage. Bis Anfang kommenden Jahres sollen zwei weitere in Eislingen und Ebersbach in Betrieb gehen. Dabei stellt der Entsorgungsbetrieb pro Jahr bis zu 600 Tonnen Pflanzenkohle her. Das entspricht in etwa 30 Lastzügen (40-Tonner).

Pflanzenkohle ist Kohlenstoffsenker

Optimal mit Nährstoffen aufgeladen, kann die Pflanzenkohle eine weitere Stärke ausspielen. Wer sie im Garten oder Acker einbringt, macht diese Flächen zu Kohlenstoffsenkern. „CO2 wird aktiv aus der Atmosphäre gebunden und langfristig im Boden abgelegt“, erklärt Zimmermann.

Gewünschter Nebeneffekt: Bei der Produktion von Pflanzenkohle erwärmt sich Wasser. Bis zu 150 Kilowattstunden (KWh) pro Stunde Strom, kann die Pyrolyse-Anlage im Dreischichtbetrieb produzieren. Damit könnte DU: rund 390 Haushalte ein Jahr versorgen. Doch der Löwenanteil (rund eine Million KWh pro Jahr) des warmen Wassers dient der firmeneigenen PET-Recycling-Anlage. Die wäscht Kunststoff-Flakes sauber. Mit dem restlichen Warmwasser beheizt das Familienunternehmen Aufenthaltsräume.

Pipi für die Forschung

250.000 Menschen kamen voriges Jahr zum evangelischen Kirchentag nach Stuttgart. Dort stellten pfiffige Christen Toiletten auf, die mit Pflanzenkohle gespickt waren. Dies saugte den abgeschiedenen Urin der Teilnehmer auf. Anschließend karrten die Macher die vollgesaugte Pflanzenkohle auf den Berg zur Universität Hohenheim im Stadtteil Plieningen. Studenten der Agrarwissenschaften brachten die Kohle in den Obstbau-Gärten der ältesten Uni Stuttgarts zu Versuchszwecken aus.

Ein Viertel mehr Biogas

Zudem überlegt Zimmermann Trocknungscontainer zu kaufen. „Wir könnten darin Bio-Material wie Getreide für Landwirte trocknen“, verdeutlicht der Naturliebhaber und dreifache Familienvater. Neben dem Einsatz der Pflanzenkohle als Nährstoffträger in Böden, hat DU: weitere Nutzer im Visier: Biogaserzeuger. Eine Studie der Universität Göttingen belegt deutlich mehr Ertrag bei der Produktion. Bis zu 24 Prozent mehr Biogas kann entstehen, wenn Pflanzenkohle untergemischt ist. „Das wirkt wie ein Turbo“, freut sich Zimmermann über die wissenschaftliche Bestätigung.