Stalleinstreu - Einsatz in der Tierhaltung

Pflanzenkohle kann in der Tierhaltung als Einstreu oder zur Kot- bzw. Güllebehandlung genutzt werden. Im Einstreu bindet die Pflanzenkohle Feuchtigkeit (bis zum 5fachen ihres Eigengewichtes an Wasser) sowie organische und mineralische Stickstoffverbindungen. Die Adsorption von Stickstoff in Verbindung mit der kontinuierlichen Abtrocknung der Einstreu entzieht mikrobiellen Krankheitserregern die Nährstoffgrundlage und reduziert giftige Ammoniakemissionen.

 Durch die Reduktion des Feuchtigkeitsgehaltes nimmt beispielsweise die Anfälligkeit für Fußballen- bzw. Klauenkrankheiten ab. Die Geruchsbelastung im Stall durch Ammoniakemissionen, welche Schleimhäute bzw. Lungen der Tiere angreift und deren Immunsystem schwächt, wird bereits nach wenigen Tagen deutlich gesenkt. Eine Verbesserung der Widerstandfähigkeit der Tiere ist die Folge, was sich positiv auf ihre Vitalität, Milch- bzw. Legeleistung und Mastendgewichte auswirkt.

Moola - Pferdepension hat gute Ergebnisse mit neuer Streu

Ökologische Isomatte als Wärmedämmung

Schon zu Beginn der Umstellung sieht der Junglandwirt Vorteile. Hetzer testet zuerst in Pferdeboxen seiner Schwester, die eine Reitschule und eigene Pferde besitzt. Die Füllhöhe von 20 cm erweist sich als idealer Start. Kompost und gepulverte Pflanzenkohle liegen wie eine Matte in den drei Mal vier Meter großen Pferdeboxen. Wo früher schnell der Betonboden zum Vorschein kam, weil die Pferde das Einstreu an den Rand schoben, liegt nun eine „ökologische Isoliermatte“ in der Box. „Das sorgt für einen weichen Stand der Pferdehufe und ist speziell im Winter als Wärmedämmung von unten ideal“, resümiert Hetzer. Selbst der Schmied berichtet, die Hufgesundheit habe sich verbessert.

Weil sich der Tiere-Kot nur mit den oberen drei Zentimetern vermischt, hält die Einstreumatte länger als ein Jahr. Sie ist zudem deutlich einfacher zum Misten. Doch so lange wartet Hetzer nicht: „Wir leeren und reinigen unsere Boxen aus Hygienischen Gründen viel früher“, erklärt er. Herkömmliche Stroh-Späne-Streu ist im Winter übrigens spätestens nach zehn Tagen zur kompletten Räumung fällig.

Streu aus Pflanzenkohle reicht vier Mal so lange

Nebeneffekt: Durch den Einsatz von  Kompost-Pflanzenkohle sinkt der Materialverbrauch rapide. 40 Kubikmeter Späne und drei Rundballen Stroh hielten Hetzer vor der Umstellung maximal die erwähnten zehn Tage. „Heute reicht mir die gleiche Menge an Kompost und Kohle sechs Wochen“, berichtet der Student der Agrarwirtschaft an der Hochschule Nürtingen.

Vor allem gefällt ihm das Klima in den Stallungen. „Es riecht nicht mehr nach Ammoniak“, sagt Hetzer. Denn die Pflanzenkohle, die aus Gerstenspelz und Grünschnitt karbonisiert wird, saugt den Pferdeurin auf und bindet die darin enthaltenen Nährstoffe wie etwa Stickstoff. „Dadurch werden Verluste, z.B. in Form von Ammoniak verhindert und es verbessert sich der Nährstoffgehalt der Streu. Das bestätigt Anwender Hetzer, der deutlich weniger, dafür qualitativ hochwertigen Mist auf seinen 70 Hektar Grünland und 30 Hektar Ackerbau ausbringt und eine bessere Düngewirkung auf dem Feld erkennen kann. „Das ist nah dran an einem Terrapreta-Bodenverbesserer“, sagt Hetzer. Pferdemist aus Stroh und Sägespäne würde auf den Feldern oft nur entsorgt, meint er. Beim Umgraben käme dann genau das zum Vorschein, was ausgebracht wurde. In der Folge würden für Umsetzungsprozesse zusätzlich Nährstoffe benötigt, welche den Kulturpflanzen fehlen.

Butzenhof stellt auf Pflanzenkohle um

David Hetzer wollte weniger Mist. Der Betreiber des Butzenhofes mit 65 Pensionspferden in Mössingen bei Tübingen hat sein Einstreusystem umgestellt. Von Stroh und Sägespänen auf Grüngutkompost und Pflanzenkohle. Seither spart der angehende Agrarwirt erhebliche Mengen Material. Besonders gefällt dem Junglandwirt, dass auch die Arbeit für das Räumen der Pferdeboxen deutlich schneller geht. Statt 20 Minuten pro Box ist Hetzer heute in knapp zehn Minuten fertig.

Doch die Umstellungsphase war testintensiv. Vor knapp zwei Jahren hat sich der Schwabe umgehört, weil er Alternativen zu Stroh und Spänen finden wollte. In einer Agrar-Fachzeitschrift liest Hetzer zum ersten Mal über Pflanzenkohle. Das weckt sein Interesse. Gemeinsam mit Kompost aus Grünschnitt testet der angehende Bio-Landwirt unterschiedliche Mischungen. „Sind Humus und Pflanzenkohle zu fein, wird das Einstreu zu Matsch, wenn es nass wird“, verdeutlicht der Pferdepensionswirt. Ist der Mix zu grob, kann er Urin nicht aufnehmen, die Box wird nass und es riecht nach Ammoniak, ähnlich den Emissionen der Stroh-Späne-Streu.

Hochschulen bestätigen Praxistest

Mit Humus und Pflanzenkohle sehe das anders aus. Testreihen an der Fachhochschule Osnabrück und der Universität Hohenheim zeigen eine deutliche verbesserte Muttererde hinsichtlich Nährstoffgehalt, wenn sie mit angereicherter Pflanzenkohle gespeist werden. Der Humusgehalt steigt an.

Eine gute Nachricht für den Butzenhof. Denn gerade in der Gegend zwischen schwäbischer Alb und nördlichem Schwarzwald sind die ertragsschwachen Böden sehr tonig und hart. „Minutenböden“ werden sie deshalb genannt. Die Bauern müssen den exakten Zeitpunkt finden, um sie zu bearbeiten.

Auch im Butzenhof war das Timing entscheidend. Hetzer ahnte, seine neue Streu könnte Skepsis unter den Pferdebesitzern erzeugen. Also schwieg er erstmal. Lies die ersten Testboxen für sich sprechen. „Das erzeugte Neugierde“, freut sich der Landwirt über die Taktik. Statt mit Druck zu arbeiten und Reitern das neue Einstreu zu diktieren, bewirkte er durch die Vorauswahl beim Test einen Sog. „Plötzlich wollten alle diese tolle Einstreu-Matte für ihre Boxen“, berichtet er mit einem Augenzwinkern.